
Mittwoch, 4. März in meinem Büro in Mauthen
Friedrich Schmiedl's Raketenbriefmarken
Der österreichische Ingenieur und Erfinder Friedrich Schmiedl (1902–1994) gilt als einer der Pioniere der sogenannten
Raketenpost – einer ungewöhnlichen Idee, bei der Postsendungen mithilfe kleiner Raketen transportiert werden sollten. In den 1930er-Jahren entwickelte er in der Steiermark ein funktionierendes System, das weltweit Aufmerksamkeit erregte und als eines der wenigen tatsächlich praktisch getesteten Konzepte dieser Art gilt.
Schmiedl studierte zunächst Chemie und Physik und beschäftigte sich schon früh mit Raketenantrieben. Zu einer Zeit, in der die moderne Raumfahrt noch in den Kinderschuhen steckte, experimentierten viele Forscher mit Raketen als Transportmittel. Während andere vor allem militärische Anwendungen oder die Raumfahrt im Blick hatten, interessierte sich Schmiedl besonders für eine zivile Nutzung: den schnellen Transport von Briefen über größere Entfernungen.
Seine Idee war relativ einfach, aber für die damalige Zeit technisch anspruchsvoll. Eine kleine Feststoffrakete sollte Postsendungen in einer Kapsel transportieren und sie innerhalb weniger Minuten an einen anderen Ort bringen. Besonders für schwer zugängliche Regionen, etwa über Täler oder Flüsse hinweg, erschien diese Methode viel schneller als herkömmliche Transportwege.
Der erste erfolgreiche Versuch fand am
2. Februar 1931 in der Steiermark statt. Schmiedl startete eine Rakete von
Schöckl bei Graz in Richtung Sankt Radegund. Die Rakete legte mehrere Kilometer zurück und transportierte dabei rund hundert Briefe. Die Sendungen waren mit speziellen Raketenbriefmarken versehen, die den außergewöhnlichen Transport kennzeichneten. Diese Marken sind heute begehrte Sammlerstücke in der Philatelie.
In den folgenden Jahren führte Schmiedl weitere Tests durch, unter anderem zwischen Graz und Semriach. Die Raketen konnten mehrere hundert Briefe transportieren und erreichten Geschwindigkeiten, die für damalige Postverhältnisse beeindruckend waren. Obwohl die Raketen relativ klein waren, bewiesen die Experimente, dass der Transport von Post per Rakete technisch möglich war.
Ein besonderes Merkmal der Raketenpost waren die speziellen Raketenpostmarken. Diese Marken wurden nicht von der offiziellen Postverwaltung herausgegeben, sondern speziell für Schmiedls Experimente gedruckt. Sie dienten sowohl als Frankierung als auch als Nachweis, dass ein Brief tatsächlich per Rakete befördert wurde. Heute gehören sie zu den interessantesten Spezialgebieten der Briefmarkenkunde.
Trotz der spektakulären Experimente setzte sich die Raketenpost langfristig nicht durch. Die Technik war aufwendig, teuer und nicht besonders zuverlässig. Außerdem entwickelten sich gleichzeitig andere Transportmittel – etwa Flugzeuge – sehr schnell weiter und boten eine praktikablere Lösung für schnellen Posttransport über große Entfernungen.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs änderte sich zudem der Blick auf Raketentechnologie. Viele Entwicklungen wurden militärisch genutzt oder streng kontrolliert. Schmiedl selbst zerstörte später einen Teil seiner Unterlagen, um zu verhindern, dass seine Forschung für militärische Zwecke verwendet werden konnte.
Heute gilt Friedrich Schmiedl als wichtiger früher Experimentator der Raketentechnik. Seine Raketenpost war zwar keine dauerhafte Lösung für den Posttransport, zeigte aber eindrucksvoll, wie kreativ Ingenieure der frühen Raumfahrtära mit neuen Technologien experimentierten. Gleichzeitig hinterließ er ein faszinierendes Kapitel der
Technik- und Postgeschichte – und eine Reihe ungewöhnlicher Raketenbriefmarken, die bis heute an diese visionäre Idee erinnern.
Briefmarkenexperte Arnold Goller
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